Arbeitsplatz LKW
Die Verkehrsdichte auf unseren Straßen nimmt kontinuierlich zu. Staus sind die Regel. Auch der LKW-Verkehr hat in den letzten Jahren durch das "just in time"-Prinzip der verringerten Lagerhaltung zugenommen. LKW-Fahrer sind dadurch einem hohen Druck ausgesetzt, wenn sie ihre Liefertermine einhalten sollen. Aus bisherigen Untersuchungen und Fahrerbefragungen sind folgende Ergebnisse bekannt geworden: Lenkzeiten werden häufig überschritten. Fahrer schilderten, dass sie schon öfter am Steuer eingenickt seien, schon Beinahe-Unfälle durch Einschlafen erlebt hätten und an Sekundenschlaf-Unfällen beteiligt gewesen seien.
Sekundenschlaf am Steuer ist eine ständig präsente Gefahr auf unseren Straßen. Es wird geschätzt, dass jeder 4. schwere Verkehrsunfall auf Autobahnen und jeder 5. Unfall im Straßen- und im Stadtverkehr durch Müdigkeit oder Einschlafen am Steuer verursacht ist.
Vom Autofahrer wird permanent hohe Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsbereitschaft verlangt. Dazu ist er aber nicht wirklich in der Lage, wenn er zu wenig geschlafen hat oder zu lange pausenlos am Steuer sitzt oder gar an einer Schlafstörung leidet. Während Alkoholmissbrauch das relative Unfallrisiko auf das Doppelte erhöht, sind Patienten mit Erkrankungen des Nachtschlafs (wie z. B. Atemaussetzer bei Schlafapnoesyndrom) einem fast vierfachen Unfallrisiko ausgesetzt. Aber es geht nicht nur um das von Patienten ausgehende Gefahrenpotential, sondern auch um gesunde Fahrer, die durch Überforderung übermüdet sind. Nach 17 Stunden Wachheit ist das Reaktionsvermögen beispielsweise genauso eingeschränkt wie durch 0,8 Promille Blutalkohol.
Besonders prekär und bisher zu wenig beachtet sind die Probleme Schlafmangel, schlechter Schlaf und Tagesschläfrigkeit bei LKW-Fahrern im Fernverkehr. Die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen ist für die LKW-Fahrer durch mangelnde Parkplätze, Stauzeiten und Termindruck schwierig. Der Schlaf in der Fahrerkabine kann durch Hitze, Kälte und Lärm gestört sein.
Das Regierungspräsidium Stuttgart führt zusammen mit zahlreichen Projektpartnern eine eingehende praxisbezogene Studie zum Thema „Tagesschläfrigkeit bei Fernfahrern“ durch. Für die praktische Durchführung von zwei Teilprojekten werden noch Sponsoren benötigt, die die Studie finanziell unterstützen, aber auch Speditionen, die bei einem Projekt zur Gesundheitsförderung für LKW-Fahrer mitmachen.
Bei einer momentan durchgeführten Pilotstudie wurden LKW - Fahrer bei routinemäßigen Polizeikontrollen rekrutiert. Sie nahmen freiwillig an Schläfrigkeitsmessungen mittels Pupillographie teil. Hierbei beteiligte sich ein höherer Prozentsatz von LKW-Fahrern als bei den bisherigen Studien (50% der angesprochenen Fahrer). Die Studie wurde tagsüber und in der kalten Jahreszeit durchgeführt, um möglichst wenig berufsunabhängige Einflußfaktoren zu haben.
Bei der Untersuchung waren 72% der Fahrer im grünen Bereich, also hellwach. Nur 6,5% der Fahrer wurden als schläfrig und damit nicht mehr verkehrssicher, eingestuft. Dies bestätigt die Ergebnisse von Müller et alii, der an gleicher Stelle ähnliche Werte für den Pupillenunruheindex bei LKW-Fahrern maß (8%). Die gemessenen Werte sind wesentlich geringer als die bisher bei ähnlichen Studien gemessenen Werte, bei denen bis zu 25% der Fahrer als schläfrig eingestuft wurden. Bei diesen Studien wurden meist Fahrer auf Rasthöfen angesprochen, nicht aber aus dem fließenden Verkehr gezogen. Bei einer Studie in Oberösterreich wurden die Fahrer allerdings bei Polizeikontrollen rekrutiert, aber auch nachts und zu allen Jahreszeiten untersucht. Die jetzt gemessenen Vigilanzwerte sollen mit Arbeitszeit und Arbeitsplatzdaten korreliert werden.
Die Presseerklärung des RPS hierzu finden Sie hier:
www.gesundheitsamt-bw.de
Zusätzlich finden Sie hier zwei Vorträge von Dr. Grüner zum Thema bei einem BAUA-Workshop in Berlin:
Belastung und Beanspruchung von LKW-Fahrern (PDF; 336 KB)
Projekt "Hellwach am Steuer - erste Ergebnisse" (PDF; 382 KB)
Vortragsmaterialien beim Symposium "Sekundenschlaf am Steuer - ein Problem für Fahrer und Speditionen" am 15.06.2007 in Stuttgart
- Regierungspräsident Dr. Udo Andriof: Begrüßung (PDF; 14 KB)
- Dr. Timo Didier: Begrüßung (PDF; 14 KB)
- Dr. Christel Grüner: Projekt "Hellwach am Steuer" (PDF; 179 KB)
- Gerhard Ziegler: "Parkplätze - Planung und Innovationen" (PDF; 1 MB)
- Kai Ihro: Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben im Betrieb (PDF; 264 KB)
- Wolfgang Daub: Überwachung der gesetzlichen Vorgaben durch die Polizei (PDF; 672 KB)
- Walter Dauenhauer: Überwachung der gesetzlichen Vorgaben durch Gewerbeaufsichtsbehörden (PDF; 25 KB)
- PD Dr. Barbara Wilhelm: Pupillographie: eine Methode zur Feststellung von Schläfrigkeit - Erfahrungen und Ergebnisse (PDF; 4MB)
- Dr. Klaus Ederle: Schlafstörungen und deren Diagnostik (PDF; 975 KB)
- Dr. Peter Michael Bittighofer: Arbeits- und verkehrsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen bei Berufskraftfahrern (PDF; 385 KB)
- Dr. Klaus Jansen: Betten im LKW (PDF; 774 KB)
